Wärme des Menschen – Wärme der Erde

Wärme des Menschen – Wärme der Erde

18 Februar 2020 Matthias Girke 23 mal gesehen

Wärme wirkt in Natur und Mensch: Während sich die Erde zunehmend erwärmt, kommt es seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Abkühlung der Körpertemperatur des Menschen. Wärme kann in Lebensstil und Therapie, durch seelische Zuwendung und befeuernde Ideale gepflegt werden.


In einer 2019 veröffentlichten Studie wurden 677 423 Messungen der menschlichen Körpertemperatur aus drei Kohorten analysiert, die 157 Messjahre und 197 Geburtsjahre umfassen. Männer, die Anfang des 19. Jahrhunderts geboren wurden, hatten im Vergleich zu heute eine um 0,59 Grad Celsius höhere Temperatur; bei Frauen ist die Temperatur seither um 0,32 Grad Celsius gesunken – wie bei den Männern um rund 0,029 Grad Celsius pro Geburtsdekade.

Wir kennen die natürliche Körper- und Umgebungstemperatur sowie Wärme in Lebensprozessen. Die Keimesentwicklung braucht Wärme (‹Brutwärme›), die differenziert und teils rhythmisch geordnet das werdende Leben wie eine Art aufbauender ‹Saturnwärme› umhüllt. Die innerlich empfundene seelische Wärme ist eng mit der äußeren Wärme und der Wärme in den Lebensprozessen verbunden: Wenn wir ein warmes Glas Wasser in der Hand halten, schätzen wir unseren Mitmenschen sympathischer ein als bei einem kalten Wasserglas. Geistige Wärme entwickelt sich mit Begeisterung, mit befeuernden Idealen und lodert als Begeisterungsfeuer im Menschen.

Brücke zwischen Geist und Körper

Wärme bildet die Brücke zwischen dem geistigen Wesen des Menschen und seinem Körper. Während des Tages erreicht – mit der zunehmenden Verbindung des geistigen Wesens mit dem Körper – die Körpertemperatur am späten Nachmittag (oft gegen 18 Uhr) ihr Maximum. Mit der Körpertemperatur sind geistige Präsenz und ‹Anwesenheit› verbunden. Mit fallender Temperatur bereitet sich das Lösen vom Körper vor – wir können besser einschlafen: Wärme ist im Tagesgang mit dem Licht der Sonne verbunden und synchronisiert das rhythmische System des Menschen.

Rudolf Steiner machte deutlich, wie abstrakte Gedanken eine Kältequalität in sich tragen: Ideale tragen demgegenüber Wärme und Begeisterungskraft in sich, haben ein geistiges Ziel, das in ihnen wie ein Licht leuchtet, und entzünden Hoffnungs- und Lebenskräfte für ihre Verwirklichung. In ihnen lebt die Qualität ‹Es werde›, die geistige ‹Brutwärme› für die Verwirklichung braucht. «Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte», beschrieb es Rudolf Steiner (GA 10, Kapitel ‹Bedingungen›). Diese Lebenskräfte wirken heilend auf den Menschen und auf das Leben der Erde: Wir können die Klimakatastrophe nicht vom Verhalten des Menschen, seiner moralischen Entwicklung, trennen.

Abkühlung des Wärmeorganismus bedeutet für die gegenwärtige Menschheit eine Zunahme von verhärtenden Erkrankungen: Diabetes führt in die Sklerose (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz). Skleroseerkrankungen und Krebs sind ihrem Wesen nach ‹Kältekrankheiten›. Sie können durch Förderung von Wärme und Bewegung positiv beeinflusst werden.

Quellen des Lebens

Der auskühlende Leib des Menschen braucht die belebende Wärme. Rudolf Steiner führte spezifische Wärmeanwendungen durch die zwischenzeitlich evaluierte Misteltherapie bei der Krebserkrankung und durch das Öldispersionsbad mit ätherischem Rosmarinöl in der Diabetes-Therapie ein.

Aber auch Lebenstiländerungen, seelische Wärme im Zwischenmenschlichen und geistiges Feuer wirken heilend und unterstützen Gesundungskräfte – im Menschen und auf der Erde: «Wo liegen die Quellen des Lebens? Sie liegen in dem, was die moralischen Ideale anregt, die im Menschen begeisternd wirken. Wir kommen darauf, […] dass, wenn wir heute uns durchglüht sein lassen von moralischen Idealen, diese Leben und Ton und Licht hinaustragen und weltenschöpferisch werden. Wir tragen das Weltenschöpferische hinaus, und der Quell des Weltenschöpferischen ist das Moralische.» (Rudolf Steiner, GA 202, Vortrag vom 18. Dezember 1920)


Eine Brücke ist der Mensch

Eine Brücke ist der Mensch
Zwischen dem Vergangnen
Und dem Sein der Zukunft;
Gegenwart ist Augenblick;
Augenblick als Brücke.
Seele gewordner Geist
In der Stoffeshülle
Das ist aus der Vergangenheit;
Geist werdende Seele
In Keimesschalen
Das ist auf dem Zukunftwege.
Fasse Künftiges
Durch Vergangnes
Hoff auf Werdendes
Durch Gewordenes.
So ergreif das Sein
Im Werden;
So ergreif, was wird
Im Seienden.

Weihnacht, 24. Dezember 1920

Quelle: Rudolf Steiner, GA 40, 1998, Seite 143

Studie www.elifesciences.org/articles/49555

Web www.crossingbridges.care