Wärme, Kraft und Technologie

Wärme, Kraft und Technologie

29 Mai 2019 Laura Scappaticci 89 mal gesehen

Als Laura Scappaticci diesen Beitrag schrieb, saß sie an ihrem Laptop in einem Café, ein weit verbreitetes Bild in den heutigen USA. Wir haben Technologie bei uns, ob wir uns für sie interessieren oder nicht. Warum sollten wir uns für sie interessieren? Wie können wir sie als Werkzeug für eine Verbindung zur Anthroposophie und zueinander nutzen?


Die Anthroposophische Gesellschaft in Amerika nutzt Technologie, um einen Raum zum Lernen und einen Ort für Begegnungen zu schaffen. Wir haben Webinare (interaktive Online-Kurse) zu anthroposophischen Themen wie Wirtschaft, Meditation und Gesundheit erstellt. Wir verwenden digitale Plattformen für Zweigtreffen auf Landesebene, um uns über Aufgaben und neue Erkenntnisse auszutauschen. Wir haben einen Podcast (ähnlich einer Radiosendung) mit Interviews mit Anthroposophen auf der ganzen Welt.

Ersetzt all dies den begabten Redner, der mit Menschen vor Ort arbeitet? Das wird nie der Fall sein. Jedoch werden Zuhörerinnen und Zuhörer durch Online-Technologien ermutigt, ein Thema entweder live oder zu einem für sie günstigen Zeitpunkt auf eine Weise zu erforschen, die leicht zugänglich, erschwinglich und ökologisch ist. Unsere Mitglieder danken uns für unsere via Internet bereitgestellten Inhalte und verweisen beispielsweise auf eingeschränkte Mobilität oder das Fehlen einer anthroposophischen Gemeinschaft in ihrer Region.

Kräfte der Seele stärken

Heutzutage werden die Menschen auf ihrem Lebensweg von Technologie begleitet. Per Google könnte ein suchender Mensch eine echte Frage stellen. Wenn er in die Suchmaschine eintippt: «Was ist Anthroposophie?», dann sollten wir diese Frage mit einem herzlichen, einladenden «Guten Tag» beantworten, mit einem Gruß, der einen Weg zur menschlichen Begegnung und Erkenntnis bietet.

Gleichzeitig müssen wir für die Kräfte, mit denen wir arbeiten, wach sein. Rudolf Steiner sagt in ‹Kunst im Lichte der Mysterienweisheit› (GA 275), Vortrag vom 28. Dezember 1914: «Es wäre das Allerfalscheste, wenn man nun etwa sagen würde, da müsse man sich sträuben gegen das, was nun einmal die Technik uns in dem modernen Leben gebracht hat, man müsse sich hüten vor dem Ahriman, man müsse sich eben zurückziehen von diesem modernen Leben. Das würde in gewissem Sinne eine spirituelle Feigheit bedeuten. Das wahre Heilmittel besteht darinnen, […] die Kräfte der Seele stark zu machen, damit das moderne Leben ertragen werden kann. Ein tapferes Sich-Verhalten zum modernen Leben ist dasjenige, was notwendig ist nach dem Weltenkarma, und deshalb hat die wahre Geisteswissenschaft diesen eigentümlichen Charakter, dass sie von vornherein […] mehr oder weniger sogar intensive Anstrengungen von der menschlichen Seele fordert.»

Begegnungsmöglichkeiten

In unserer Arbeit mit dem Internet muss ein warmes Interesse für den anderen Menschen sein. Wir können Technologie nicht in unser Leben einbeziehen und sie dabei ‹kalt› lassen. Wenn die Technologie uns isolieren kann, müssen wir sie nutzen, um dieser antisozialen Kraft entgegenzuwirken. Wir müssen uns bemühen, gemeinsam etwas Herzliches zu schaffen, eine Stimmung des Willkommens, ein Gefühl der Gemeinschaft. In unseren Online-Kursen fragen wir die Teilnehmenden, woher sie kommen, wir verwenden ihre Namen, wir beziehen Zeichnen und Schreiben mit ein.

Es ist nicht allen möglich, an Veranstaltungen mit wirklich persönlichen Begegnungen teilzunehmen, aber wenn es doch möglich ist, dann können wir dadurch etwas Mächtiges und Tiefes schaffen, das in uns tage-, monate- oder jahrelang lebt. Wir brauchen sowohl die Zugänglichkeit von Online-Räumen als auch von Erfahrungen aus direkten menschlichen Begegnungen, um all jene zu erreichen, die einen tieferen Sinn im Leben suchen.

Technologie ist ein Werkzeug, und wir können sie nutzen, oder sie nutzt uns. Wenn wir sie mit Aufgeschlossenheit und Kraft aufnehmen, kann sie zu einer positiven Erfahrung führen, die für das Reifen der Menschheit genutzt wird – und das können wir gemeinsam vollbringen.


Web: www.anthroposophy.org

Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.