Zum Zukunftsthema der Anthroposophischen Gesellschaft in ‹Anthroposophie weltweit› Nr. 10/2019
In ‹Anthroposophie weltweit› Nr. 10/2019 finden sich besonders viele hoffnungstragende und ermutigende Schilderungen aus aller Welt wie eine erfrischende Brise. Mit herzlichem Dank auch an die Schreibenden dieser eindrücklichen Berichte nehme ich dies freudig zur Kenntnis.
Auch im Leitartikel stehen gewichtige Worte. Zur Erinnerung hieraus ein paar kurze Zitate: «Unsere Geschichte als Anthroposophische Gesellschaft ist seit dem Tode Rudolf Steiners gewissermaßen geschrieben. Auf ihr bauen wir auf […]» Und weiter: «Die Zukunft aber ist offen und hängt von uns gegenwärtig Handelnden ab […]» Schließlich: Angst «überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.» Das ist es!
Schicksalsanamnese
Ja, was wollen, was streben wir an? Eine solche Version könnte zum Beispiel heißen: auf dem Gewordenen das zu Schaffende so aufzubauen, dass es wie eine neue Etage darüberliegen würde. (Dies wäre sozusagen die architektonische Version.) Eine weitere Möglichkeit könnte, aus einer anderen Gestimmtheit heraus, etwa so lauten: «Lasst doch den Ballast der Vergangenheit endlich beiseite! Unser Motto ist: Freie Fahrt Ahoi!» (Dies wäre quasi die sportliche Variante.) Und so weiter nach Belieben …
Zurzeit scheint vor allem noch eine weit unbequemere Version zu fehlen, der wir – unserer Behaglichkeit zuliebe – wie einer nassen Pfütze gern ausweichen. Dies Unbequeme hieße: sich einen freien Blick zu verschaffen auf die in Wahrheit mit tiefstem Leid beladene ‹Kindheitsgeschichte› der Anthroposophischen Gesellschaft, deren Trauma dringender Therapie bedarf beziehungsweise einer gründlichen Schicksalsanamnese ihrer deformierten ‹Wurzelaustriebe›, um dadurch den verschütteten Urgrund zu sichten, wo der Keim des Zukunftswesens Anthroposophie durch freie Erkenntnistaten immer wieder neu für die Welt erschlossen werden kann. Neue Ur-Triebe könnten so hervorsprießen und sich – durch die inzwischen zu Ende geschriebene Phase hindurch – zu immer neuen Metamorphosen der Anthroposophie entfalten. Hilfen zu dieser ‹Traumatherapie› bieten gründliche Grundlagenforschungen, die von einer ganzen Anzahl Menschen in langjähriger freier Mitarbeit im Stillen geleistet wurden und werden.
Zusammenführen von Quellen- und Zukunftsstudien
Nun sind ja soeben erste Zusammenkünfte geplant, durch die eine Forschungssynthese zustandekommen könnte. Damit erhielte die offene Zukunftsausrichtung weit mehr als nur einen ‹sportlichen› Elan oder andere einseitige Bestrebungen. Das Gelingen des Zusammenführens von fundierten Quellen- und Zukunftsstudien wird – wie wir alle wohl wissen – von der echten wissenschaftlichen Gesinnung und daraus hervorgehendem echten Zusammenwirkenwollen abhängen beziehungsweise davon, dass Wort und Tat identisch werden. Erst wo das Wort zur Tat wird, wird es auf Erden auch wirklich wahr(nehmbar). Pure Lippenbekenntnisse treten uns ja täglich besonders anschaulich aus der Politszene entgegen, Frust und Ohnmacht erzeugend.
Mit herzlich hoffenden Grüssen und Wünschen an die direkt Beteiligten für ihre zukunftbildende akute Weichenstellung.