Edwin Kaufmann

Edwin Kaufmann

24 November 2020 Elena Krasotkina 11 mal gesehen

Edwin Kaufmann wurde am 22. November 1934 in Basel (CH) als erstes Kind von Clara Bleuler und Hans Kaufmann geboren; acht Jahre später folgte die Schwester Ursula. Edwins Leben hing wegen seiner Erkrankung an Tuberkulose an einem seidenen Faden.


Die Ärzte wollten ihn in Ruhe sterben lassen, aber sein Vater kam mit einer Pistole zum Chefarzt und drohte: Wenn sein Sohn nicht sofort behandelt werde, dann … Daraufhin kam der Sechsjährige nach Davos (CH), wo er mit Hilfe von Sonne und Ziegenmilch innerhalb eines Jahres geheilt wurde. Durch diese Erfahrung schätzte Edwin Kaufmann das Leben sehr und war lebens- und tatenfreudig.

Weissagung, Lehrer zu werden

Als er 1942 wieder nach Kleinbasel kam, stand in seinem Zimmer eine Kanone, die Richtung Deutschland gerichtet war; die am Rhein gelegene Wohnung war ein guter Stützpunkt für die Armee. Trotz aller Schwierigkeiten während der Kriegszeit schloss Edwin Kaufmann die Schule ab und wurde Schriftsetzer, obwohl ihm eine Zigeunerin prophezeit hatte, Lehrer oder Pfarrer zu werden.

Edwin Kaufmann hat als Kind Geige und Cello gespielt, sehr gut gemalt und gesungen (auch im Bachchor in Basel), was er später gut brauchen konnte. Denn in der Druckerei zeigte sich tatsächlich seine pädagogische Begabung – und so ging er ans staatliche Lehrerseminar in Basel, später lernte er noch Waldorfpädagogik in Dornach (CH). (Schon mit 17 Jahren hatte er sich mit Anthroposophie beschäftigt und später jahrelang den anthroposophischen Zweig in Burgdorf geleitet.)

Edwin Kaufmann hat sich 65 Jahre der Pädagogik gewidmet. Er stand an den Ursprüngen vieler Steinerschulen in der Schweiz, gründete eines der wichtigsten Lehrerseminare in Bern (CH), unterrichtete und lehrte in der Schweiz, in Deutschland und Großbritannien. Er war einer der Ersten, die in den 1990er-Jahren die Waldorfpädagogik nach Russland und in die Ukraine brachten, wo er an Schulen und Seminaren arbeitete. Viele Lehrer verwenden seine Unterlagen noch immer als wertvolle Impulse für ihre tägliche Arbeit.

Edwin Kaufmann führte die Menschen zudem bei öffentlichen Vorträgen in der ddr, in Georgien, Armenien, Bulgarien, Ungarn und der Tschechischen Republik in die Waldorfpädagogik ein.

Lebensprinzip ‹Ich selbst›

Neben den Lehrtätigkeiten führte Edwin Kaufmann Touristengruppen nach Russland und in die Ukraine und trug so zum gegenseitigen Verständnis der Völker bei. Zahlreiche Kulturreisen nach Ägypten, Griechenland, in die Türkei, nach Armenien, Georgien, Norwegen vervollständigen diese Liste.

Eine Episode ist charakteristisch für Edwin Kaufmann: 1974 fuhr er mit dem Auto von der Schweiz in die Sowjetunion. In Georgien wich er von der vorgeschriebenen Route ab. Als der Richter den von der Polizei Ertappten fragte: «Wer hat Ihnen erlaubt, die Route zu verlassen?», antwortete Edwin Kaufmann: «Ich selbst!» So war er das ganze Leben – anders konnte er nicht sein.