Erster Lehrerkurs
Über 350 Teilnehmende kamen zur Jubiläumskonferenz ‹Waldorf 100› von 6. bis 14. Juli am Goetheanum zum ersten (gerade neu herausgegebenen) Lehrerkurs.
Jon McAlice brachte es auf den Punkt: «900 Seiten Weisheit. Und man liest und liest, und es bleibt ein Buch. Was müssen wir tun, damit es zu uns spricht?» Er sprach damit vom Lebendigwerden des neu herausgegebenen Kurses von Rudolf Steiner für die ersten Waldorflehrer. Neu ist, dass die Beiträge der drei Bestandteile ‹Allgemeine Menschenkunde›, ‹Methodisch-Didaktisches› und ‹Seminarbesprechungen› nun in ihrer chronologischen Abfolge dokumentiert werden, ergänzt durch Notizbucheinträge Rudolf Steiners und sämtliche erhaltene Präsentationen der Teilnehmenden an den seminaristischen Übungen.
Beim Wiederaufleben des Kurses stand zu Beginn – wie im ersten Vortrag – der Engel, der jeden einzelnen Lehrer stärkt. Die Erzengel kreisen, eine ‹Schale des Mutes› formend, in der die Zeitgeister im richtigen Moment einen Tropfen Weisheitslicht erstrahlen lassen. Der Lehrer tritt dem Kind mit den Fragen entgegen: ‹Wo kommst du her?›, um es bedingungslos anzunehmen, und ‹Wo willst du hin?›, um es respekt- und liebevoll bei seinem Schicksalsweg zu unterstützen. Die impulsierenden Vorträge von 14 Spezialisten wurden in Arbeitsgruppen vertieft und erweitert.
Die Waldorfpädagogik begleitet den Menschen vom körperbezogenen Instinkt bis zum geistigen Entschluss, damit er frei nicht nur von äußeren Zwängen, sondern möglichst auch von den leiblichen Bedürfnissen wird. Thomas Zdrazil hat gezählt, dass Rudolf Steiner im dreiwöchigen Kurs 27 Mal auf die Wichtigkeit der Fantasie als höchste Qualität des Lehrerberufs verwies. Die Waldorfmethode verlangt nach vom Stoff begeisterten, aus hingebungsvoller Liebe zum Kind arbeitenden freien Menschen, die ihre Aufgabe als Kunst und sich selbst als Künstler verstehen.