Eurythmie im ‹Faust›

Eurythmie im ‹Faust›

25 März 2020 Sebastian Jüngel 28 mal gesehen

In der Neuinszenierung von Johann Wolfgang Goethes ‹Faust 1 & 2› am Goetheanum (Regie: Andrea Pfaehler) hat die Eurythmie eine besondere Aufgabe.


Im ‹Faust› geschieht Ungeheures: Der Gelehrte Faust ruft Wesen herbei, denen er nicht gewachsen ist, er verjüngt sich durch einen Hexentrank, er lernt Welten kennen, deren Bewohner mal in einer Dauer gebannt sind, mal sich in ständiger Verwandlung befinden. «Eurythmie zeigt das, was im Dazwischen ist, und führt dadurch in einen Raum, wo man ahnen kann, was hinter den Dingen darauf wartet, entdeckt zu werden», sagt Eduardo Torres. Er zeichnet in der Neuinszenierung von Goethes ‹Faust 1 & 2› für die Eurythmie verantwortlich. «Es geht um das Geheimnis des Lebendigen.»

Daran knüpft Regisseurin Andrea Pfaehler an. «Mir scheint, wir sind in unserer Lebensweise überwiegend Wagner ähnlich, nicht Faust: Wir schließen an Vergangenes an, wollen einem Vorbild folgen, denken wenig selbst, statt etwas Neues anzugehen.» Darum aber gehe es, gerade wenn angestammte Wege und Sichtweisen nicht mehr greifen. «Goethe zeigt mir im ‹Faust›, wo ich selbst wirklich Schöpfer werden kann», sagt Eduardo Torres.

Auf diesem Weg ist nicht alles rund und schön. «Wagner macht Wissenschaft ohne Geist – seine Schöpfung kommt nur mit Mephistos Hilfe zustande. Und weiter: Wagner bleibt im Labor zurück, als es auf dem Weg des Homunculus ums Werden geht», zeigt Andrea Pfaehler auf.

Für die Regisseurin bietet Eurythmie mehr Möglichkeiten, «als metaphysische Wesen darzustellen». Sie erlaube, zu unterscheiden, wie sich ein Engel oder ein Erzengel, wie sich ein Erdgeist oder ein Teufel bewegen. «Eurythmie berührt etwas in uns, was wir sonst nicht erleben: die Frage, aus welcher Quelle ein Wesen schöpft.»


Web www.faust.jetzt