Für Klima und Frieden

Für Klima und Frieden

27 Oktober 2020 Jasmin Peschke 1269 mal gesehen

Ernährung ist mehr als Essen. Mit Hunger lässt sich Politik machen. Und das Verständnis der Lebenswelt prägt die Kulturlandschaft. Der bewusste Umgang mit Lebensmitteln ist Ausdruck der Würde und des Respekts gegenüber allen Lebewesen auf der Erde. Die Freude über das Essen wirkt stärkend auf die Gesundheit zurück.


Das Welternährungsprogramm der Uno erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis, weil die Bekämpfung des Hungers Friedensarbeit ist. Umgekehrt ist Hunger eine Waffe, die durchaus gegen die Bevölkerung eingesetzt wird. Hunger entsteht aber auch durch die Folgen der Klimakrise: So vernichten Dürre und auch Überschwemmungen die Ernten. Ernährung geht jeden Menschen an und ist gleichzeitig eine Grundlage für Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation postuliert sogar ein Menschenrecht auf Gesundheit.

Doch wer ist dafür verantwortlich? Mit der Covid-19-Pandemie ist hierzulande das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen persönlicher Gesundheit und ökologisch erzeugten Lebensmitteln gestiegen, denn nur auf gesundem Boden wachsen gesunde Lebensmittel. Auch die Abhängigkeiten in den Lieferketten und Missstände zum Beispiel in der Tierhaltung wurden offensichtlich. So ist deutlich, dass das persönliche Einkaufsverhalten mitbestimmt, wie unsere Welt aussieht.

Vielfalt ist Ausdruck des Lebendigen

Wir alle sind gleichermaßen betroffen, und nur gemeinsam kann die Krise überwunden werden, sei es Covid-19, der Klimawandel oder der Hunger. Würde und Respekt im Umgang untereinander sowie mit Tier, Pflanze und Erde sind eine wichtige Voraussetzung dafür.

An der Landschaft kann man das Verhältnis einer Kultur zum Essen ablesen. Gegenden mit Monokulturen von Mais und Raps oder mit verbrannten Regenwaldbrachen verweisen auf Wirtschaftsinteressen, für die Pflanzen und Tiere ‹Produktionsmittel› in einer möglichst kostengünstigen Wertschöpfungskette darstellen. Vielfältige Äcker, Weiden und Wälder stehen für eine Kulturlandschaft, die dem Ernähren ebenso dient wie dem Kultivieren einer Vielfalt an Lebensformen. Als Qualitätskriterien für Anbau und Ernährung sehe ich Resilienz und Gesundheit für Mensch und Erde. Das lässt sich erreichen, indem die Wirtschaft so transformiert wird, dass sie dem Leben dient.

Unsere Art zu essen spiegelt sich in unserer Kultur. Haben wir ein flüchtiges Verhältnis zum Essen à la ‹to go›, um zur nächsten Verabredung zu hasten, oder nehmen wir uns Zeit, kochen und essen gemeinsam?

Essen als Sinneserlebnis

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird in den Haushalten mehr denn je frisch gekocht, was sogar als Food-Trend ausgerufen wurde. Dabei wird auf Abwechslung und Vielfalt an Geschmack und Farben geachtet – denn wenn die Stimmung angespannt ist, verschafft man der Familie über das Essen positive Erlebnisse. In der Ernährungswissenschaft wird neuerdings diskutiert, dass Ernährung nicht nur als Nährstoffaufnahme anzusehen ist, sondern auch zum Wohlbefinden und zu einem positiven, gesunden Leben beiträgt.

Gerade die Vielfalt neuer Sinneseindrücke vermittelt Freude – und das Darmmikrobiom wird gestärkt, was der Gesundheit und einem starken Immunsystem zugutekommt. Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass bereits das angeregte Tischgespräch förderlich ist, und damit kann jede und jeder anfangen.


Web: Sektion für Landwirtschaft/Fachbereich Ernährung