Leben im Dazwischen
Am 28. Dezember 2019 ist Premiere von ‹Leuchtfäden›, dem neuen Repertoireprogramm des Goetheanum-Eurythmie-Ensembles.
Zum heutigen Lebensgefühl gehört, unterwegs zu sein, ohne zu wissen, wohin der Weg geht. «Dieses Unterwegssein ist mit dem Erleben einer ständigen Verwandlung des Bestehenden in Politik, Ökologie, Wirtschaft und eigenem Seelenleben verbunden», sagt Stefan Hasler von der Leitung des Ensembles. Für diesen Weg gibt es weder Landkarte noch Navigationsgerät, denn die Richtung bildet sich jeweils im Zwischenraum zum Gegenüber – und damit immer wieder neu.
Das Eurythmie-Ensemble gestaltet in seinem Programm ‹Leuchtfäden› aus verschiedenen Perspektiven Übergänge und Zwischenräume. Musikalisch würdigt es anlässlich des 250-jährigen Geburtstags Ludwig van Beethoven mit Opus 132, einem seiner späten Streichquartette, mit dem langsamen Satz ‹Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit in der lydischen Tonart›. Kontrastreich dazu erklingen zwei Stücke aus ‹Je sens un deuxième coeur› von Kaija Saariaho für Bratsche, Cello und Klavier.
Auch bei den Sprachstücken stehen einander Intimität und Dramatik gegenüber: In den Auszügen aus ‹Das Wasser unserer Träume› von Marica Bodrožić vollzieht man das feinsinnig geschilderte Innenleben eines Komapatienten nach, bei den dramatisch-plastischen Szenerien aus ‹El cántaro roto› von Octavio Paz geht es um das kosmologisch-menschheitliche Erleben von Inkarnation, Anstoßen und Verzweifeln an den irdischen Verhältnissen, die Einsicht in andere Handlungsmöglichkeiten und schließlich das Bejahen des Lebens.
Premiere ‹Leuchtfäden›, 28. Dezember 2020, 20 Uhr, im Rahmen der Weihnachtstagung ‹Folget diesem guten Stern›, 27. bis 30. Dezember 2019
Web http://www.goetheanum.org/folget-diesem-guten-stern