Maurice Orange
Maurice Orange wurde am 4. Januar 1953 in Amsterdam (NL) geboren. Die niederländische Mutter, eine in Indonesien aufgewachsene Flugbegleiterin, ließ Maurice und seine zwei Schwestern auf Niederländisch und mit indonesischen Gerichten aufwachsen. Wenn der Vater, Brite und Pilot, von seinen Flügen heimkam, wurde zum Englischen gewechselt.
Ein wilder Garten bot eine intensive Verbindung zur Natur, Klettern auf Baumwipfeln im Sturm, Graben von Höhlen zum ‹Leben in der Erde› und überhaupt eine Leben begleitende Beobachtung von Pflanzen.
Nach der Schule lernte Maurice Orange durch Bernard Lievegoed die Anthroposophie und das Parzival-Thema kennen. Am Schicksal einer jungen, sterbenden Leukämie-Patientin erlebte er seine Berufung zum Arzt, studierte Medizin an der Universität Utrecht (NL), wurde dann Hausarzt in Amsterdam und Haarlem (NL) und qualifizierte sich für Anthroposophische Medizin. An der Zeylmans-van-Emmichoven-Klinik in Bilthoven (NL) lernte er die Misteltherapie kennen. Er erkannte, dass mistelbehandelte Krebspatient/inn/en stabile Verläufe und gute Lebensqualität hatten, dass es – hingewiesen darauf durch Diederik Houwert – große Bedeutung hat, in welches Organ und in welcher Weise der Mistelextrakt gegeben wird, und dass das Studium immunologischer Prozesse für die Weiterentwicklung der Misteltherapie entscheidend ist.
Fieber-Misteltherapie
Seiner Frau Bettina Lohn begegnete er im Pflegeheim ‹De Maretak› (Die Mistel, NL). Beide gingen hernach zur therapeutischen Gemeinschaft der Park-Attwood Klinik, Worcestershire (GB), wo Maurice Orange fast 25 Jahre therapeutisch tätig war. Mitte der 1990er-Jahre kam endgültig seine therapeutische Blickwendung zur Misteltherapie. Angeregt von den wissenschaftlichen und klinischen Entwicklungen der Öschelbronner Wissenschaftler/innen und Ärzt/inn/e/n entwickelte er eine neue Art der hochdosierten kombinierten Mistel- und Fiebertherapie. Eng war der Austausch mit seinem Mentor Broder von Laue. Durch intensives Studium von Mistelextrakten und Tumorimmunologie und maßgeblich inspiriert durch William Coley, den Begründer der onkologischen Fiebertherapie, konnte Maurice Orange mit seiner intensiven Mistelbehandlung in Einzelfällen vollständige Rückbildungen von Tumorerkrankungen herbeiführen. Diesem Thema widmete er seine Masterarbeit, qualifizierte sich 2010 zum Master of Science (MSC) in Clinical Oncology an der Universität Birmingham (GB) und veröffentlichte erfolgreiche Mistelbehandlungen in internationalen, begutachteten Zeitschriften. Die Fortentwicklung der Misteltherapie und ihre wissenschaftliche Aufarbeitung sah er als seine wichtigste Lebenstätigkeit an.
Feines Gespür für Karma
Wer ihm nahe war, konnte ihm – dem stets den einzelnen Menschen sehenden, von Heilerwillen geleiteten, suchenden und wissenschaftlich prüfenden Arzt – gewissermaßen über die Schulter blicken und sehen, wie er die Wissenschaft in unendlicher Kleinarbeit nutzte, um den Patient/inn/en zu helfen, dabei immer wieder Neues entdeckte und überprüfte, und wie er mit der Zeit zu einer Ikone der modernen Fieber-Misteltherapie wurde, und für viele zu einem wegweisenden Lehrer.
Maurice Orange zeichnete sich aus durch seine Bescheidenheit, seine Mitmenschlichkeit, seinen Humor, sein feines Gespür für Karma, seine Offenheit und seine nie endende Bereitschaft zu fragen.