Neuer Landesrepräsentant Janne Silvasti

Neuer Landesrepräsentant Janne Silvasti

27 Oktober 2020 Sebastian Jüngel 13 mal gesehen

Janne Silvasti ist Künstler, Farbgestalter, Lasurmaler, Klassen- und Kunstlehrer. In Tampere (FI) geboren und aufgewachsen, lebt er nach einer Zeit im Saarland (DE) seit bald 30 Jahren in Järna (SE). Seit 2014 ist er Mitglied im Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Schweden und wurde im September 2020 zum Landesrepräsentanten gewählt.


Sebastian Jüngel Aktuell wird Schweden immer wieder als Referenzland für den Umgang mit der Corona-Pandemie angeführt: von den einen als Land, das die Freiheit der Bevölkerung achtet, von anderen als Beispiel, dass diese Art der Freizügigkeit nicht funktioniert. Wie ist das Lebensgefühl in Schweden selbst?

Janne Silvasti
Schweden ist ein freiheitsliebendes Land. Die Menschen haben Vertrauen in ihre Behörden. Die relativ freie Handhabung der Pandemie in Schweden hat bisher gut funktioniert, mit Ausnahme der Mängel in der Altenversorgung, die man anfänglich übersehen hatte, als das Virus von Mitarbeitenden verbreitet wurde, deren Ausrüstung und Kenntnisse unzureichend waren. Leider mussten zu viele alte Menschen ihr Leben hingeben.

Die Vorschule und die Gesamtschule blieben geöffnet. Schweden sind Optimisten! Sie diskutieren und praktizieren gern neue und kreative Wege für das Zusammenleben. Der Wille ist stark, nicht aufzugeben und neue Lösungen zu suchen.

Beweglich, neugierig, offen

Jüngel Schweden ist auch für andere Themen ein Land für Projektionen. Liegt das im Wesen Schwedens? Gibt es etwas, was Schweden zur Projektionsfläche macht?

Silvasti
Schweden hat eine lange und reiche Geschichte. Spannende Epochen sind beispielsweise die Wikinger, die herausragenden Könige der Großmachtzeit und die politischen Charaktere, die in späterer Zeit auf den Weltplan traten. Die Geschichte wirft ein Echo bis zu aktuellen Ereignissen wie der Verleihung der Nobelpreise, die jedes Jahr Blicke aus aller Welt nach Schweden ziehen.

Man muss bedenken, dass Schweden seit 200 Jahren keinen Krieg erlebt hat! Die Menschen in unserem Land erleben eine Grundsicherheit. Schweden ist auch eine offene Gesellschaft, in der neue Trends schnell aufgenommen werden, ohne dass dabei die alten Wurzeln in Vergessenheit geraten. Bezeichnend ist auch der schwedische Gemeinschaftsgeist. Gewisse soziale Strukturen sind fest in allen Schichten verankert. ‹Fika› (Kaffee mit Gebäck in der Gruppe am Arbeitsplatz) ist ein Muss im Alltag. Die schwedische Volksseele ist beweglich, neugierig und offen; sie sucht die Nähe und Abhängigkeit von anderen, wenn auch nicht unbedingt die Meinungen der anderen.

Die Welt interessiert sich dafür, wie man in Schweden mit den sozialen Fragen umgeht und wieso diese allgemein gut ausgebildeten Menschen so oft Innovationen auf vielerlei Gebieten vorlegen können. Junge Musik aus Schweden hat Weltklasse, Greta Thunbergs ungewöhnlicher Kampf für die Umwelt prägt ihre ganze Generation.

Aufzeigen von Alternativen

Jüngel An was kann die Anthroposophie in Schweden spirituell anknüpfen? Und was bringt die Anthroposophie Neues nach Schweden?

Silvasti
Der Gedanke an Reinkarnation ist vielen jungen Schweden nicht fremd. Hierzulande spricht man aber nicht gern über Glauben und Weltanschauungsfragen. So etwas liegt unterschwellig, aber es gibt Interesse – jedoch auch Widerstand!

Gewisse Themen wie zum Beispiel die heute wieder sehr aktuell gewordene Künstlerin Hilma af Klint (1862 – 1944), die von der Anthroposophie inspiriert war, wecken ein weltweites Interesse für Schweden und das anthroposophische Weltbild. Das Zentrum der anthroposophischen Bewegung in Schweden in Ytterjärna außerhalb des Ortes Järna ist von Anfang an als eine skandinavische Initiative entstanden. Seit mehr als 60 Jahren hat die Anthroposophie der schwedischen Gesellschaft Alternativen aufgezeigt: Schule, Krankenversorgung, umweltfreundliche Produkte und vieles mehr.

Aber in einem Punkt weicht Schweden vom Nachbarland Norwegen ab: Bei uns gibt es keine Präsenz bekannter Anthroposophen in den Medien, in der öffentlichen Debatte oder in philosophischen Diskursen. Stattdessen herrscht die Bestrebung, Anthroposophie in Schweden möge gemeinschaftlich und bodenständig sein. Die Anthroposophische Gesellschaft und ihr Vorstand werden an Grundfragen weiterarbeiten und wollen gut auf Bedürfnisse und Fragen aus der Öffentlichkeit vorbereitet sein.

In Selbstsicherheit und Zusammenarbeit

Jüngel Was ist dabei Ihr persönliches Anliegen als Landesrepräsentant von Schweden?

Silvasti
Meine persönlichen Interessen liegen weit über die Anthroposophie gebreitet, vom Menschenbild und der Weltentwicklung bis zum Geistigen in der Kunst. Ich bin davon überzeugt, dass sich die anthroposophische Bewegung in Selbstsicherheit und Zusammenarbeit parallel zur restlichen Welt entwickelt und dass sie bereit ist, die Herausforderungen, die an sie gestellt werden, anzunehmen.

Jüngel
Sie haben nun ein bisschen ein Bild von Schweden gemalt. Welche Farben würden Sie wählen, wenn Sie diese Charakterisierungen in einem gemalten Bild darstellen würden?

Silvasti
Die Farbe, die gut für Schweden passen würde, gibt es nicht. Mit etwas Fantasie kann man aber etwas Gutes finden: Zitronenblau ist die Farbe für Schweden.


Web: Antroposofiska Sällskapet