Online-Kurs

Online-Kurs

23 März 2021 Sebastian Jüngel 23 mal gesehen

Am Online-Kurs von Studium und Weiterbildung am Goetheanum zur Anthroposophie nahmen jeden Tag im Februar 63 Menschen aus 31 Ländern teil.


Sebastian Jüngel Blieb das Veranstaltungsprogramm im digitalen Format gleich beziehungsweise inwiefern hat es sich verändert?

Edda Nehmiz
Inhaltlich bleibt es gleich, didaktisch muss es verändert und zeitlich angepasst werden. Der Online-Kurs ist ein Angebot für Menschen, deren Lebenssituation durch Lockdown und zusätzliche Herausforderungen geprägt ist. Da ist es kraftgebend, in sich eine Verankerung zu finden, etwa sich mit einem Gedanken zu verbinden, sich durch Kunst einen freien Seelenraum zu erarbeiten und einen Blick auf die Zeit zu richten und neue Kontakte zu knüpfen. Wenn das Leben herausfordernd ist, helfen äußere Form, Präzision und Rhythmus, die Kräfte auf den Inhalt zu richten.

Beziehung herstellen

Jüngel Hat sich die Darstellung verändert?

Nehmiz
Eine Präsenzdarstellung lebt mehr davon, dass sich ein Gedanke in seinem ganzen Bogen zeigt und dass er abgeschlossen wird. Im Digitalen tritt so eher eine Ermüdung ein; hier ist es passender, einen größeren Ausschnitt aus dem Bogen zu präsentieren und alle daran mitbauen zu lassen.

Unserer Erfahrung nach sollte ein inhaltlicher Beitrag oder eine Hinführung in etwas Künstlerisches nicht länger als 20 Minuten dauern; fürs Gespräch bleiben 75 Minuten sinnvoll. Kolloquien können in großen Gruppen gut stattfinden, eine Studiengruppe sollte hingegen nicht mehr als 25 Personen umfassen – so kann man alle auf dem Bildschirm überblicken. Der Moderation fällt in digitalen Formaten eine zentrale Aufgabe zu, damit sich alle einbezogen fühlen.

Wir schöpfen alle digitalen Möglichkeiten wie digitale Treffen in Kleingruppen, Teilen von Bildschirm, Videos und Dokumenten sowie Chat aus. Wir setzen aber auch Elemente ein, die man aus dem Präsenzunterricht kennt, wie etwa eine Wandtafel. Dadurch kann auch ein Anschluss an die bisherige Lernerfahrung stattfinden.

Besonders lebendig und direkt wird es beispielsweise auch bei einer Live-Goetheanum-Führung mit Smartphone am Selfiestick. Diese Form hat eher den Charakter, dass ein/e Freund/in einem das Goetheanum zeigt. So können Teilnehmende auch durch Interaktion ihre Beziehung zum Goetheanum vor Ort aufbauen und neue Aspekte entdecken.

Jüngel
Was lässt sich über neu erschlossene Teilnehmende sagen?

Nehmiz
Wir haben überwiegend Menschen erreicht, denen es auch ohne Corona eher nicht möglich ist, ans Goetheanum zu kommen. Da jede/r während des Kurses bei sich zu Hause ist, ist die originäre kulturelle Gestimmtheit viel stärker präsent – und doch trifft man einander, über alle Kultur- und Mentalitätsgrenzen hinweg vereint.

Das Goetheanum ist erreichbar

Jüngel Was steht an?

Nehmiz
Wir haben aus Improvisation heraus einen Raum der Lebendigkeit und Begegnung eröffnen können, weshalb wir den Kurs im Mai/Juni wieder geben. Längerfristig wäre eine bessere technische Ausstattung notwendig. Zudem ist zu bedenken, dass es – besonders auch für Hybridveranstaltungen (Präsenz und digital) – neben einer geeigneten technischen Ausstattung genügend Menschen im Hintergrund braucht, die die Veranstaltung technisch betreuen, und andere, die für Fragen und Anliegen bereitstehen, und zwar möglichst ‹live›.

Jüngel
Welche Möglichkeiten haben sich für Sie neu erschlossen?

Nehmiz
Der digitale Raum ist weder eine Alternative noch eine Notlösung, sondern ein Zusatzangebot. Der digitale Raum erweist sich als ein Ort, der sich – wie jeder andere Raum – nach der zugrundeliegenden Intention baut und viel Potenzial in sich birgt. Zudem stellen die digitalen Möglichkeiten eine große Chance für das Goetheanum dar, Menschen zu erreichen, die sonst kaum – ob wegen Corona oder etwas anderem – kommen könnten. Das Goetheanum wird so für Menschen als Erkenntnis-, Begegnungs- und Erlebnisort Wirklichkeit, an dem man sich in Gedanken, in der Kunst und in einem Gesprächsverlauf ohne Abstriche gegenüber einer physischen Begegnung treffen kann.


Web Goetheanum Studium