Sichtbarmachen künstlerischer Arbeiten
2016 wurde das ‹Aenigma-Archiv Berlin für anthroposophische Kunst, Architektur & Design› (DE) eröffnet (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 3/2016). Seither wurden ihm Zehntausende Werke anthroposophischer Künstler/innen anvertraut. Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin (DE), stellt Werke aus diesem Bestand in seinen Räumen aus.
Jede Übernahme ist wie ein kleines Wunder: Es spielen hinein Vertrauen, das dem Archiv entgegengebracht wird, die durch uns getätigte Abholung und nicht zuletzt die Sichtung der Werke und ihre Lagerung. So gibt es einen Einblick in schöpferische Biografien, in Arbeitszusammenhänge, die sichtbar gemacht werden wollen.
Jüngst wurden ein mehr als 100 Werke großes Konvolut der Künstlerin Maria Hiszpańska-Neumann (1917–1980) sowie ein großes Altargemälde von Max Wolffhügel (1880–1963) übergeben. Ein Vergleich dieses Bildes mit dem ebenfalls im Archiv befindlichen Altargemälde von Margarita Woloschina (1882–1973) von 1937 ist aufschlussreich, dokumentiert er doch die unterschiedliche Umsetzung ein und desselben Themas.
Erfahrungsgemäß ist der Erhaltungszustand der Werke recht verschieden, mehr als die Hälfte der uns übergebenen Werke bedürfen der konservatorischen Behandlung. Außerdem wollen die Werke sachgerecht gelagert werden. Die Kosten hierfür liegen um ein Vielfaches über dem zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen. Denn nur wenige Schenkungen bringen zugleich Geldmittel zum Erhalt der Werke mit sich.
Das Archiv verfügt über rund 250 Quadratmeter Fläche im Gebäude der Freien Waldorfschule in Berlin-Kladow in unmittelbarer Nähe der Klinik Havelhöhe. Die Idee eines Schaudepots musste aufgrund des Zustroms an Kunstwerken aus Platzgründen zurückgestellt werden.
Aufnahmekriterien
Entscheidend für die Übergabe von Werken an das Archiv ist der Wunsch der Wertschätzung und des dauerhaften Erhalts anthroposophischer Kunst. Beides garantiert das Archiv als gemeinnütziges Institut. Ein Verkauf der Werke ist per Satzung ausgeschlossen.
Das Archiv tätigt keine Ankäufe. Die Arbeit erfolgt bislang ehrenamtlich, sofern nicht externe Fachleute herangezogen werden. Ziel der Arbeit ist die Schaffung eines eigenen Hauses in Berlin an einem zentral gelegenen Ort, an dem Menschen anthroposophischer Kunst täglich begegnen und mit ihr Umgang pflegen können.
Die Arbeit ist nicht rückwärts gerichtet, sondern intendiert die Vergegenwärtigung des anthroposophischer Kunst impliziten Entwicklungspotenzials im Sinne eines Kulturimpulses.
Es erscheint folgerichtig und im Sinne der dem Archiv obliegenden Aufgabenstellung, dass durch die Initiative der Klinik Havelhöhe nun für einen längeren Zeitraum in den Zimmern für Patientinnen und Patienten sowie auf den Fluren einer Station Werke des Künstlers Waldemar Volkmer (1909–1973) ausgestellt werden können. 2021 ist eine Präsentation mit Werken Heinrich Röders (1897–1954) angefragt.

Werkbestand von bisher fast 100 Künstlerinnen und Künstlern
Bis heute erhielt das Archiv über 65 Schenkungen. Dazu gehören komplette Nachlässe einzelner Künstler/innen und einzelne Werke wie Gemälde, Plastiken, Architekturmodelle oder geschnitzte Bilderrahmen, Möbel und Metallobjekte. Die Werke kamen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Schweden, darunter von Eric Arlin (1924–1996), Oswald Dubach (1884–1950), Bernhard Eyb (1888–1978), Arne Klingborg (1915–2005), Felix Kayser (1892–1980), Roberto Hoffmann (gestorben 1988) und Hans Nohl (1903–1999). Das sind alles Persönlichkeiten, welche die Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert mitgeprägt haben, aber auch Künstler wie der Waldorflehrer Ewald Becker-Carus (1902–1995) und der biodynamische Landwirt Theodor Willmann (1902–2003), dessen Metallritzungen christologischen Inhalts besonders sind, sind vertreten. Noch wenig entdeckt ist das bemerkenswerte Lebenswerk Heinrich Röders, einer der ersten Nachlässe, die das Archiv erhielt. Aus dem Jahr 1937 stammt ein Schlafsofa mit integriertem Bücherregal des Architekten Helmuth Lauer (1901–1979).
Mit mehr als 1 500 Werken gehört der Nachlass Waldemar Volkmers neben dem ‹Vorlass› von Karl-Heinz Flau (*1930) mit knapp 1 000 Werken aktuell zu den umfangreichsten Beständen im Archiv, sieht man vom Nachlass des Farbgestalters Fritz Fuchs (1937–2018) mit mehr als 30 000 Objektnummern oder vom ‹Vorlass› des Architekten Winfried Reindl (*1939) mit über 8 000 Objekten ab. Da nicht selten Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern das Archiv erreichen, deren Namen unbekannt sind, und sich in größeren Nachlässen immer wieder Arbeiten anderer Künstler finden, liegen inzwischen Werke von knapp 100 Persönlichkeiten vor.
Kooperationen geplant
Sofern die Finanzierung gelingt, werden in der in unregelmäßiger Folge erscheinenden kleinen Reihe ‹Edition Aenigma› Werke und Nachlässe aus dem Archiv durch interne und externe Autor/inn/en vorgestellt.
Da wir davon überzeugt sind, dass die Existenz eines Hauses anthroposophischer Kunst in Berlin als Beitrag des Geisteslebens wesentlich ist, streben wir mittel- und langfristig eine Finanzierung durch Kooperationen mit Institutionen des Wirtschaftslebens an, die den Impuls des Archivs finanziell mitzutragen gewillt sind. Der Besuch des Archivs ist nach telefonischer Kontaktaufnahme möglich.
Unterstützung / Kontakt Tel +49 30 440 46 9 10 (Matthias Mochner), +49 172 899 299 6 (Egon Tietz)