Waldorf 100
Von 5. bis 11. Mai fand in Bangkok (TH) die Tagung ‹Vertiefung des Verständnisses der Grundlagen der Waldorfpädagogik› mit rund 200 Teilnehmenden statt.
Das Bewusstsein atmet. Es atmet zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gedächtnis und Willen, zwischen Konzept und Vorstellung von Leben, Natur und der Welt um uns herum. Mit diesem Gedanken aus Rudolf Steiners ‹Allgemeiner Menschenkunde› (GA 293) eröffnete Claus-Peter Röh, Co-Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, die Waldorftagung in Bangkok. Und eine Tafelzeichnung entstand, die das Geheimnis der Waldorflehrer veranschaulichte: die Bedeutung des Fühlens als Brücke zwischen den Polaritäten Denken und Willen im heranwachsenden jungen Menschen.
Christof Wiechert, früherer Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, beschrieb, dass Rudolf Steiner keinen vorgefassten oder festen konzeptionellen Rahmen für die Waldorfschule hatte, sondern wöchentlich mit den Lehrern an der Entwicklung der Schule arbeitete und den Lehrplan gemeinsam mit ihnen gestaltete.
Die Tagungsredner betonten, dass die Kernideen der Waldorfpädagogik nach wie vor relevant sind. Rudolf Steiners ursprüngliche Vision beginnt gerade erst, sich vollständig umzusetzen. Technologie, das Internet, virtuelle Realität, Künstliche Intelligenz und Cyber-Bewusstsein haben nichts zu bieten, um Kindheit und menschliche Entwicklung neu zu definieren. Waldorfpädagogik und die Waldorfschulbewegung können die jungen Erwachsenen auch vor dieser Welt beschützen, indem sie helfen, selbstständig zu denken und stärker, klüger, tiefer zu werden, und sie so hoffentlich auf die bevorstehenden Herausforderungen vorbereiten.
Nach einem Bericht von John Chalmers, Bangkok (TH), bereitgestellt vom ‹Pacifica Journal›
Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.