Waldorf 100
Auch auf Malaysia wird ‹Waldorf 100› von den zwölf Waldorfschulen und ungezählten Kindergärten gefeiert. Im Land lebt Unzufriedenheit mit dem Schulsystem.
Heiß, glücklich und farbenfroh! Malaysia hat 33 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und schmiegt sich auf der südlichsten Halbinsel des eurasischen Kontinents zwischen dem südchinesischen Meer und dem Andamanen-Meer des Indischen Ozeans ein. Es ist ein multikulturelles und -ethnisches Land: 60 Prozent des malaysischen Volkes praktizieren den Islam, 20 Prozent sind Buddhisten und 10 Prozent Christen. Die restlichen 10 Prozent sind hinduistisch, taoistisch, konfuzianisch oder anderen Glaubens. Als ehemalige britische Kolonie ist Englisch die zweite Sprache nach Malaiisch; auch Chinesisch ist weit verbreitet.
Da die Öffentlichkeit kein Vertrauen in die fluktuierenden Schullehrpläne hat, sind die vielen internationalen Schulen in den Großstädten beliebt. Es gibt mittlerweile zwölf Waldorfschulinitiativen, einige eher wie Home Schooling, Kindergärten sowie ein Lehrerausbildungsprogramm mit Dozierenden aus anderen Ländern.
Weg zwischen den Extremen
Kelip Kelip ist die größte Waldorfschule am Rande der Hauptstadt Kuala Lumpur. Sie gehört mit sieben anderen Schulen zur Föderation Steiner Education Malaysia (SEM). Die SEM-Schulen feiern das ganze Jahr über ‹Waldorf 100› mit Schülern, Eltern, Lehrern und der breiten Öffentlichkeit.
Bei einer der Feierlichkeiten im September präsentierte ein Gastsprecher ein Bild von der Bedeutung der Erziehungskunst in einer Zeit, in der viele Schulen Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik einseitig fördern. Gerade im digitalen Zeitalter dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, was es heißt, Mensch zu sein, und wie die Kunst in dieser Hinsicht als wichtige Vermittlerin dient. Sie bildet im weitesten Sinne des Wortes das Herz und das Gleichgewicht zwischen dem denkenden und dem handelnden Menschen. Waldorfpädagogik bietet als ‹Herzenskunst› einen Mittelweg zwischen den uns oft spaltenden Extremen. Die Lehrer und Eltern der malaysischen Waldorfbewegung sind auf der Suche nach diesem Gleichgewicht in der Erziehung, auch ohne staatliche Anerkennung.
Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.