Wie geht es dem Goetheanum finanziell?
Die finanzielle Situation des Goetheanum hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Mitgliedschaft, von der Nachfrage an den Veranstaltungen und weiteren ‹Produkten› und ‹Dienstleistungen› – sowie von den äußeren Rahmenbedingungen wie behördlichen Vorgaben zur Durchführung von Veranstaltungen, wie sich dieses Jahr deutlich zeigte.
In Anbetracht der vielfältigen wirtschaftlichen Not als Folge der Pandemie geht es dem Goetheanum vergleichsweise komfortabel. Dennoch trifft es insbesondere die Kulturschaffenden. So haben wir uns entschieden, die intensiven Proben zur Wiederaufnahme der Mysteriendramen Rudolf Steiners in der diesjährigen Weihnachtstagung zu beginnen und beträchtliche Geldmittel zu investieren, obwohl völlig offen ist, ob es Aufführungen und eine Weihnachtstagung geben wird oder nicht.
Zunächst ein positiver Aspekt: Seit mehr als acht Jahren gibt es eine jährlich langsam ansteigende Zahl von neuen Mitgliedern in der Anthroposophischen Gesellschaft (von 1 060 im Jahr 2013 auf 1 405 im Jahr 2019), gleichzeitig sinkt die Zahl der ausgetretenen oder nicht mehr als Mitglied betrachteten Menschen (weil kein Kontakt mehr herstellbar ist) von 1 776 im Jahr 2013 auf 827 im Jahr 2019. Das ist erfreulich, obwohl gegenwärtig die Gesamtzahl der Mitglieder noch leicht sinkt, weil etwa 600 jedes Jahr die Schwelle zur geistigen Welt überschreiten.
Wie bleibt das Goetheanum ausreichend liquide?
Im Rückblick auf 2019 und die Jahre davor ist es ein ständiges Bemühen der Finanzabteilung und des Schatzmeisters, ob das Jahr über die Liquidität des Goetheanum ausreicht. Die Ausgaben von rund 1,2 Millionen Franken pro Monat kommen absolut regelmäßig, weil sie hauptsächlich aus den Bezügen der rund 220 Mitarbeitenden des Goetheanum bestehen. Völlig offen und wenig planbar ist aber, wann Einnahmen zum Goetheanum fließen: Am sichersten ist das Viertel, das von Ihren Mitgliedsbeiträgen kommt! Ob aber und wann Spenden, Legate, Drittmittel von Stiftungen kommen, – und ob erhoffte Veranstaltungseinnahmen und institutionelle Beiträge eingehen, ist jedes Jahr offen und in der Regel erst am Jahresende sicher. Ohne die Hilfe von befreundeten Stiftungen und einigen anthroposophischen Landesgesellschaften wäre das nicht zu bewältigen.
Worin zeigt sich der Erfolg?
Wie der Name schon sagt, möchte die Erfolgsrechnung einer Institution einen finanziellen Erfolg oder eventuellen Misserfolg, ausgedrückt in Zahlen, zum Jahresende präsentieren. Der eigentliche ‹Erfolg› eines Goetheanum – so behaupte ich – liegt aber in der geistigen und künstlerischen Produktivität, nachvollziehbar beispielsweise in der gegenwärtigen Inszenierung von Johann Wolfgang Goethes ‹Faust 1 & 2› oder ablesbar in der medialen Nachfrage (zehn Prozent Auflagensteigerung der Wochenschrift ‹Das Goetheanum›), der Auseinandersetzung mit Vorträgen und Forschungsergebnissen der Fachsektionen und insgesamt in der Ausstrahlung des Goetheanum für suchende Menschen. Diese deutlich wahrnehmbaren oder erlebten ‹Erfolge› erscheinen aber in der Erfolgsrechnung vor allem als Ausgaben und führen in der Regel zunächst zu einem zahlenmäßig ‹negativen› Ergebnis.
2017 war in den Finanzen diesbezüglich wieder ein kritischer Punkt erreicht, der bis zur Frage führte, ob wir die Bühne und den Großen Saal aus Geldgründen für den Normalbetrieb schließen und nur gelegentlich für große Tagungen und Kongresse öffnen sollten. Wir haben uns im kleinen Kreis der beratenden Schatzmeister und dann in der Goetheanum-Leitung dagegen entschieden. Das Goetheanum berief ein neues Eurythmie-Ensemble. Es hat im letzten Jahr mit 60 kleinen und großen Aufführungen den Saal und die Bühne ins rechte Licht gerückt. Auch das Wagnis einer zweiten ‹Faust›-Inszenierung und weiterer Investitionen sind wir als Goetheanum eingegangen.
Eine fruchtbare und höhere Intensität seiner Tätigkeit hat das Goetheanum erreicht und Einnahmen wie Ausgaben gesteigert – auch wenn das gleichzeitig angestrebte Ziel eines im Äußeren finanziell ‹ausgeglichenen Haushaltes› nicht erreicht wurde.
Die jeweils positiven Zahlen im Jahresergebnis verdanken wir 2018 und 2019 Sondersituationen, im letzten Jahr durch einen Hausverkauf an den gemeinnützigen Gerard-und-Elisabeth-Wagner-Verein (für den großen künstlerischen Nachlass und die dortige Malschule, die durch eine umfangreiche Schenkung einer ehemaligen Wagner-Schülerin möglich geworden war).
Wie sicher ist das Goetheanum finanziell?
Ein Blick auf die Bilanz zeigt, dass den kurzfristigen Verbindlichkeiten etwa ein gleich großes liquides Umlaufvermögen gegenübersteht und den mittelfristigen Verbindlichkeiten (länger als ein Jahr) entsprechende Sicherheiten in den Beteiligungen. Den langfristig noch nicht finanzierten Sanierungs- und Ausbaukosten des Goetheanum (rund 5,3 Millionen Franken) stehen Baubriefe und Darlehen von Mitgliedern in Höhe von 6,9 Millionen Franken gegenüber. Und die rund 40 Liegenschaften des Goetheanum (außerhalb des Goetheanum-Campus) sind mit rund sieben Millionen Franken nur in etwa in der Höhe in der Bilanz aufgeführt, wie sie mit Hypotheken belastet sind.
Vor diesem sicheren Hintergrund ist die jährliche Erfolgsrechnung mit einem Drittel Unsicherheit bei den Einnahmen verantwortbar – sofern die Liquidität unterjährig ausreicht. Dennoch besteht natürlich die Herausforderung, durch die Aktivität der Sektionen, der Mitarbeitenden und vor allem Ihre Mithilfe möglichst jedes Jahr in Balance zu bringen.
In Corona-Zeiten ist das für eine kulturelle Einrichtung wie das Goetheanum von größter Schwierigkeit. Beachten Sie daher mit Herzenskräften den jährlichen Brief des Schatzmeisters, der Sie in den ersten Dezembertagen erreichen sollte.
Überweisungen bitte auf folgende Konten:
Vermerk: ‹Weihnachtsspende Goetheanum›
Aus der Schweiz und Ländern ohne Euro-Währung (Konto in Schweizer Franken): Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, 4143 Dornach, Schweiz. Raiffeisenbank Dornach, 4143 Dornach, BIC: RAIFCH22, IBAN: CH54 8080 8001 1975 4658 2.
Aus Deutschland mit steuerlich wirksamer Spendenbescheinigung und anderen Euro-Ländern (Konto in Euro): Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, 4143 Dornach, Schweiz, GLS-Gemeinschaftsbank, 44708 Bochum, Deutschland, BIC/Swift: GENODEM1GLS, IBAN: DE53 4306 0967 0000 9881 00.