Zum Treffen der Zweigverantwortlichen und zur Generalversammlung

Zum Treffen der Zweigverantwortlichen und zur Generalversammlung

29 Mai 2019 Heike Oberschelp 19 mal gesehen

Nach dem ‹Herzstillstand›, den einige Mitglieder an der Generalversammlung 2018 erlebt haben, blieb als Wahrnehmung in diesem Jahr zurück: der Wille, sich an der Zukunft zu orientieren, vorsichtiger Optimismus und das Bekämpfen von Emotionen, die in der letztjährigen Generalversammlung eine größere Rolle gespielt haben.


In dem Treffen der Zweigverantwortlichen fanden Gespräche über die unterschiedlichsten Formen und Ansätze der Zweigarbeit statt. Ein Thema kristallisierte sich immer mehr heraus: Wie gehen wir mit gegensätzlichen Überzeugungen um. Muss ich dem anderen ‹die Wahrheit› sagen? Und wie sage ich sie ihm, ohne ihn zu verletzen? Oder lebe ich mich in die Weltbetrachtung des anderen tolerant ein?

«Was du in einem der geringsten deiner Brüder mit innerer Toleranz verstehst, auch wenn es ein Irrtum ist, das hast du von mir verstanden, und ich werde dich die Vorurteile überwinden lassen, wenn du diese deine Vorurteile abschleifst an dem toleranten Aufnehmen desjenigen, was der andere denkt und fühlt.» (GA 189, Vortrag vom 16. Februar 1919) Diese Fragestellung beschrieben und bewerteten die Teilnehmenden unterschiedlich – sie wurde in ihrer gegensätzlichen Handhabung stehengelassen, ohne dem Drang nachzugeben, einen Konsens finden zu müssen.

Das nächste Zweigverantwortlichentreffen im November geht um ‹Gesprächskultur üben› – in Zusammenarbeit mit einem Prozessbegleiter, der mit den Zweigverantwortlichen übt.

Der Blick auf die Generalversammlung mit der begeisternden Darstellung von Initiativen der verschiedenen Länder und der großen Zustimmung bei der Bestätigung von Justus Wittich als Vorstand hat bei vielen Mitgliedern eine optimistische Stimmung aufkommen lassen und den Eindruck bestärkt, dass die Zusammenarbeit von Mitgliedschaft und Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft Kraft zuführen kann.

Der Blick auf die Antragsflut nimmt davon allerdings wieder etwas zurück: Was verbirgt sich hinter den Anträgen? Jedes Jahr werden viele Anträge gestellt:

– 2018 zum Beispiel der Antrag, dass im ‹Goetheanum› jede Woche auf einer Seite Texte von Rudolf Steiner veröffentlicht werden sollen. Dazu gab es eine konsekutive Abstimmung, die eine Mehrheit im Saal dafür zeigte.

– Der Antrag von 2018, ob Vorstände mit Zweidrittelmehrheit bestätigt werden sollen, wurde 2019 zurückgezogen.

– Es gab 2018 und 2019 Fragen nach einer anderen Bewertung der Bilanzzahlen. Diese Darstellung setzte voraus, dass alle Anwesenden buchhalterisch zu Höchstleistungen im Denken fähig sein oder in fünf Minuten alles Gesagte durchschauen und bewerten mussten.

– Und die Frage nach den Bezügen von nicht mehr amtierenden Vorstandsmitgliedern, welche schriftlich vom Vorstand beantwortet worden war, trotzdem aber vor großem Publikum noch einmal ausführlich dargestellt wurde.

Frage: Warum geschieht das? Offensichtlich geht es nicht nur um die persönliche Suche nach Antworten. Also worum geht es bei den Anträgen?

Wie können die Anträge und deren Antragsteller, Mitgliedschaft und Vorstand dazu beitragen, dass gemeinsam an der Zukunft gearbeitet wird und im Bewusstsein bleibt, dass hinter der Anthroposophischen Gesellschaft etwas Wesenhaftes steht? Das sind ungelöste Fragen, die in irgendeiner Form bearbeitet werden sollten, denn sie haben große Wirkungen.