Geänderte Essbedürfnisse

Geänderte Essbedürfnisse

02 April 2026 Sebastian Jüngel 124 mal gesehen

Die Verpflegung der Gäste bei Veranstaltungen am Goetheanum wird neu gegriffen. Entsprechend heutigen Essgewohnheiten wird sie einfacher. Mit der Umstellung ist auch das Ziel verbunden, das strukturelle Defizit zu überwinden.


«Die Essbedürfnisse haben sich in den letzten Jahren verändert.» Das stellt Ueli Hurter fest. Er vertritt mit Rebekka Frischknecht (Betriebsleitung) das Goetheanum gegenüber dem Speisehaus, das für die Verpflegung am Goetheanum verantwortlich ist.

Schon 2024 war ein Konzept für das Catering am Goetheanum ausgearbeitet worden, um Alternativen zum klassischen Drei-Gang-Menü zu entwickeln. Dieses gab es bei Veranstaltungen mittags und abends. «Heute genügen ein Lunch und ein Abendimbiss. Das wissen wir auch von unseren Gästen», hält Ueli Hurter fest.

Nachdem Sabine Hagg die Leitung des Bereichs Gastronomie übernommen hatte und diese für alle Seiten unerwartet aus privaten Gründen wieder abgeben musste, wurde der Moment erkannt, die Gastronomie am Goetheanum neu aufzustellen, auch mit dem Ziel, dass sie sich finanziell selbst trägt. Ausgenommen von den Umstellungen sind die weiterhin wachsende Bäckerei des Speisehauses (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 11/2022), die schweizweit liefert, und der Bioladen im Speisehaus.

Keine kostendeckende Gastronomie

Die bisherige Infrastruktur für die Versorgung der Gäste war auf höhere Besucherzahlen beziehungsweise eine stärkere Auslastung durch Veranstaltungen ausgelegt. «In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Nutzungstage nicht ausreichen, um kostendeckend zu arbeiten», so Lucas und Thomas Didden, die gemeinsam mit Ueli Hurter die Endverantwortung für das Speisehaus tragen.

«Ein strukturelles Defizit kann dabei nicht die Lösung sein; von den Gästen mehr Geld für die Verpflegung zu fordern, auch nicht», so Ueli Hurter aus seiner Perspektive als Mitglied des Vorstands am Goetheanum – die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft müsse letztlich auch für den assoziierten Betrieb Gastronomie des Speisehauses mitdenken und für eventuelle Verluste aufkommen.

Das Team Ueli Hurter, Rebekka Frischknecht, Lucas und Thomas Didden hat nun folgende Änderungen ab der Zeit nach der Welt-Kindergarten-Tagung beschlossen:

  • Ab 13. April 2026 werden die Küche und das Restaurant im Speisehaus geschlossen. ‹Peppone Catering› hat Interesse, ab August die Kücheninfrastruktur zu mieten. ‹Peppone Catering› wird von Oliver Hübscher geleitet. Er hat im ‹Sonnenhof›, Arlesheim, Schweiz, bei Heinz Fendrich gelernt und bereits früher im Speisehaus gearbeitet. ‹Peppone Catering› ist biozertifiziert und verarbeitet möglichst viele Demeter-Produkte. Der Betrieb liefert täglich rund 700 Essen an Kitas in der Region und gehört zur Genossenschaft ‹Overall› für integriertes Arbeiten.
  • Für die Nutzung der Räume im ersten Obergeschoss des Speisehauses werden derzeit neue Konzepte geprüft. Das könnten beispielsweise Sozialprojekte für Jugendliche oder für ältere Menschen sein.

Die Verpflegung im Speisehaus als traditionellem Restaurant wird nun abgelöst durch das Angebot im Goetheanum selbst. «Unser Ziel ist es, wie bisher eine qualitativ hochwertige biologische Grundversorgung am Goetheanum sicherzustellen», ist Rebekka Frischknecht wichtig.

Auch Esszeiten sind kürzer geworden

Das neue Konzept basiert auf einer weiteren Beobachtung. «Die Esszeiten sind mit den geänderten Essbedürfnissen kürzer geworden.» Das heißt, dass mit einfacheren Mahlzeiten auf wenig Raum mehr Menschen verpflegt werden können.

So wird sich die Verpflegung künftig auf die Cafeteria in der Wandelhalle konzentrieren. Zusätzliche Sitzgelegenheiten – etwa bei geeignetem Wetter draußen – stehen zur Verfügung. Nach Bedarf gibt es zeitversetzte Essenszeiten.

Bei Großveranstaltungen ab etwa 400 Gästen wird wie bisher auf die Kapazitäten in der Schreinerei zurückgegriffen. Die Zubereitung übernimmt dann ‹Peppone Catering›; der Service erfolgt durch die Mitarbeitenden der Speisehaus Gastro GmbH.

«Uns ist bewusst, dass diese Veränderungen für alle Beteiligten eine Umstellung bedeuten», sagt Ueli Hurter für die Planungsgruppe. «Unser Anliegen bleibt, eine gute und passende Verpflegung am Goetheanum zu ermöglichen, sie an heutige Bedürfnisse anzupassen und gleichzeitig wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln.»