Hartmut Haupt
Hartmut Haupt lebte Kunst, Wissenschaft und Religion: Als hoch musikalischer Mensch mit absolutem Gehör führte ihn sein Leben zunächst in die Physik und an das Priesterseminar, bevor er zur Musik zurückfand.
Ein Leben für die Orgel
Hartmut Haupt wurde 1932 als fünftes Kind musikalischer Eltern in Bonn (DE) geboren. Die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach weckte seine tiefe Zuneigung zur Orgel. Mit dem Umzug der Eltern nach Jena erwachte sein Interesse für Astronomie und Metereologie. 1950 begann er diese Gebiete zu studieren. Als sein Interesse keine Erfüllung fand, wechselte er zur Physik und promovierte.
Durch die erste Ehe lernte er die Anthroposophie kennen, welche in der DDR nur unter dem Schirm der Christengemeinschaft leben konnte. Dies war ein Wendepunkt in seinem Leben, und er kündigte bei Jenapharm, um am Priesterseminar der Christengemeinschaft zu studieren. Kurz vor Abschluss kehrte der Familienvater zu Jenapharm zurück.
Durch all die Jahre pflegte er seine Liebe für die Musik. Häufig saß er schon um 5.30 Uhr – vor Arbeitsbeginn – auf der Orgelbank. So wurde er für ein Jahr Organist der Stadtkirche in Jena.
1967 heiratete er Bärbel Klauder und wurde erneut Vater.
Für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich wurde Hartmut Haupt 1975 in der Denkmalpflege und als Organist freiberuflich tätig. Er begutachtete zahlreiche Orgeln in Thüringen und setzte sich mit Herz für ihre Restaurierung ein, sodass manches Instrument vor dem Vergessen gerettet wurde. Einspielungen auf CD waren ein weiterer Beitrag zur Pflege des Thüringer Kulturlebens. Er reiste noch zu DDR-Zeiten unter anderem in die Schweiz, nach Russland und in die USA. Sein musikalisches Zuhause war die neue Orgel im Volkshaus in Jena, die er dort einbauen ließ. Mit 4800 Pfeifen ist sie die größte Konzertorgel Thüringens. Auch die Pflege und Interpretation von Max Regers Musik waren ihm wichtig, ebenso von Hans-Georg Burghardt, der sein Lehrer war.
Hartmut Haupt leitete einen anthroposophischen Lesekreis und wurde später Lektor in Jena. Mit dem Priester Hartwig Knabe lud er 1988 die Goetheanum-Bühne mit dem zweiten Mysteriendrama von Rudolf Steiner nach Jena ein. Unter Mitwirkung der in der DDR ausgebildeten Sprachgestalter gab es fünf Aufführungen mit insgesamt 600 Besuchern aus der ganzen DDR.
Nach der politischen Wende 1989 war die Anthroposophische Gesellschaft wieder erlaubt. Hartmut Haupt nahm Kontakt zur damaligen Leiterin der Sektion für Redende und Muszierende Künste am Goetheanum, Virginia Sease, auf. Sie besuchte ihn und mit ihm die Thüringer Orgeln. Diese Verbindung führte dazu, dass er auch für die Orgel im Großen Saal des Goetheanum beratend einbezogen wurde. Immer wieder spielte er dort Konzerte.
Soziales Engagement
Hartmut Haupt engagierte sich im sozialen Bereich in der Kinderhilfestiftung Jena und für die Gründung eines Gemeinschaftskrankenhauses. Mutig trat er in der Öffentlichkeit für die Anthroposophische Gesellschaft und ihre Ziele ein.
Bis vor seinem Tod spielte er auf seinem auf 432 Hertz gestimmten Bechstein-Flügel. Elke Jacobeit, Priesterin der Christengemeinschaft in Jena, beschrieb Hartmut Haupts letzte Lebenszeit so: «Zuletzt war er selbst wie ein Ton, der nach und nach ins Pianissimo verklang, doch in diesem Verklingen immer intensiver wurde.»
Quellen Barbara Haupt, Elke Jacobeit, Michael Kurtz, Virginia Sease, ‹Ost-Thüringer Zeitung› vom 5. Juni 2019