Islam und Anthroposophie
Anthroposophie in Ägypten wird kulturbezogen und -übergreifend als Entwicklung von Potenzialen gelebt, ob bei Sekem oder in anthroposophischen Ausbildungen.
Die anthroposophische Bewegung und Gesellschaft in Ägypten wurde von Ibrahim Abouleish und einem Kreis von Menschen aus Europa begründet. Dies führte zur Zweigbildung und zur Hochschularbeit.
Am Zweigleben nehmen Menschen teil, die sich in Sekem aufhalten, auch kurzzeitige Sekem-Praktikant/inn/en oder Dozierende sowie Gäste aus aller Welt. Aufgrund der Sprachenvielfalt der Teilnehmenden ist Englisch zur zentralen Sprache geworden. Am Zweigleben sind Menschen ägyptischer beziehungsweise muslimischer Herkunft beteiligt – mit einem gewissen Bildungsstand und entsprechender Offenheit gegenüber ganzheitlichen Perspektiven.
Verweben der Kulturen
Ägypten ist in erster Linie ein muslimisches Land, mit etwa 90 Prozent Muslim/inn/en und sechs bis zehn Prozent koptischen Christ/inn/en. Im Allgemeinen hat Ägypten – wie auch andere muslimische Länder in den letzten Jahrzehnten und allgemein in Zeiten zunehmender Unüberschaubarkeit des Lebens und ökonomischer Unsicherheit – eine Hinwendung zu einer traditionelleren und konservativeren Gesinnung erfahren.
Es ist Ibrahim Abouleish zu verdanken, dass Sekem prinzipiell ein Ort potenzieller Vielfalt geworden ist. Durch sein kunstvolles Verweben der Kulturen und Religionen hat er eine Ost-West-Verknüpfung, ein Brückenschlagen vorgelebt, das vor allem auch in ihm selbst stattfand. Aufgewachsen als Moslem, kam er während seines Studiums und Arbeitens in Österreich mit der westlichen Kultur und der Anthroposophie in Berührung. In 40 Jahren hat er mit seinen engeren Mitarbeitenden an Verbindungen und Gemeinsamkeiten des esoterischen Korans und der Anthroposophie geforscht. Sekem selbst basiert somit auf einer Fusion von Ost und West, von Islam und Anthroposophie.
Diese Fusion findet bis heute praktische Anwendung in einer fortlaufenden Bildung aller in Sekem – und seit sieben Jahren an der Heliopolis-Universität in Kairo – arbeitenden Menschen, in den Bildungskonzepten von Kindergarten, Schulen sowie Berufsausbildungen (Lehrer/innen, Eurythmist/inn/en, Sprachgestalter/innen) und in der biodynamischen Landwirtschaft, jeweils in arabischer Sprache. Auch die Beduinen der Gegend sind repräsentiert in Schule und Firmen. Viele Jahre gab es intensive anthroposophische Schulungen für Mediziner am Medical Center, das gerade auf neue Beine gestellt wird, etwa bezüglich einer umfassenden ganzheitlichen Heilkunst und eines ganzheitlichen Versicherungswesens.
Nicht zu vergessen ist das Feiern und Wertschätzen der verschiedenen Feste der islamischen und der christlichen Religion und Kultur.
Selbständige anthroposophische Arbeit
In einigen Teilen Ägyptens unterstützt Sekem engagierte Lehrkräfte beim Eröffnen von Waldorfschulen, wie beispielsweise in Luxor.
Für Oasenbewohner/innen eröffnen sich langsam durch die wachsende Farm in Wahat, Bahariya, mehr Bildungs- und kulturelle Angebote. Auch hier ist die Verbindung von Islam und Anthroposophie spürbar, etwa wenn eine Eurythmieaufführung von Ägypter/inne/n im neuen Amphitheater für Landwirtschaftsarbeitende und Gemeinschaftsmitglieder veranstaltet wird.
Ibrahim Abouleish hat die Menschen um sich auf angemessene Art und Weise mit der Anthroposophie verbunden, was dazu führt, dass sich manche nun selbständig Texte Rudolf Steiners aneignen.
Über die letzten Jahre hat sich die Zusammenarbeit von Sekem und Goetheanum intensiviert. Mit der Sektion für Landwirtschaft arbeiten wir an der Einbindung des biodynamischen Verständnisses der Landwirtschaft und unserer Umwelt in die universitäre Ausbildung. Mit diesem Modell soll die biodynamische Landwirtschaft auch in anderen Regionen der Welt an Universitäten gelehrt werden.
Web Sekem